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Technischer Leitfaden

LOTO-Leitfaden: Verriegelung und Kennzeichnung gefährlicher Energien

Was ein LOTO-Verfahren ist, welche Energien getrennt werden müssen, wie Vorhängeschloss und Verriegelungsvorrichtung für jede Trennstelle ausgewählt werden und welche Vorschriften es stützen.

Was ein LOTO-Verfahren ist und wann es angewendet wird

LOTO steht für Lockout/Tagout: Verriegelung und Kennzeichnung. Es ist das Verfahren, bei dem vor einem Eingriff an einer Maschine oder Anlage (Instandhaltung, Reinigung, Beseitigung von Störungen, Einstellung, Formatwechsel) alle Energiequellen getrennt, die Trennorgane physisch mit einem persönlichen Vorhängeschloss verriegelt und mit einem Anhänger gekennzeichnet werden, der angibt, wer verriegelt hat.

Es wird immer dann angewendet, wenn ein Mitarbeiter einen Körperteil in einen Gefahrenbereich der Maschine bringen muss oder eine Schutzeinrichtung außer Kraft setzen muss, um zu arbeiten. Es ersetzt nicht die Sicherheitsverriegelungen der Maschine, sondern ergänzt sie, wenn diese nicht ausreichen (lange Eingriffe, mehrere Personen, Restenergie, entfernte Trennstellen).

Energiequellen, die getrennt werden müssen

Die elektrische Energie ist die offensichtlichste, aber selten die einzige. Vor dem Verriegeln sollten alle Energiequellen jeder Anlage erfasst werden:

  • Elektrisch: Trennschalter, Leitungsschutzschalter, Steckdosen und Stecker, Frequenzumrichter, Batterien und Kondensatoren.
  • Pneumatisch: Druckluftanschlüsse, Schnellkupplungen, Kugelhähne und Absperrventile; die in Leitungen und Zylindern gespeicherte Luft muss abgelassen werden.
  • Hydraulisch: Absperrventile, Druckspeicher.
  • Mechanisch: Trägheit von Schwungrädern, gespannte Federn, hängende Lasten, Schwerkraft.
  • Thermisch und chemisch: Dampf, heiße oder korrosive Flüssigkeiten, Gase; sie werden mit Ventilen und Blindflanschen abgesperrt.

Jede Energiequelle erfordert eine Trennstelle und eine mit dieser Trennstelle kompatible Verriegelungsvorrichtung: Deshalb ist der Katalog nach Vorrichtungstyp (Ventil, Leitungsschutzschalter, Stecker, Kabel…) und nicht nach Branche gegliedert.

Die acht Schritte einer korrekten Verriegelung

  1. Vorbereitung: Energiequellen, Trennstellen und erforderliche Vorrichtungen ermitteln (idealerweise in einem schriftlichen Verfahren je Maschine).
  2. Information: betroffene Mitarbeiter und Verantwortliche informieren.
  3. Stillsetzen: die Maschine nach dem normalen Verfahren anhalten.
  4. Trennen: Trennschalter, Ventile und Leitungsschutzschalter betätigen.
  5. Verriegeln und Kennzeichnen: die Vorrichtung an jeder Trennstelle anbringen, mit dem persönlichen Vorhängeschloss verschließen und den Anhänger anbringen.
  6. Restenergie entladen: Drücke ablassen, Kondensatoren entladen, Lasten abstützen, abkühlen lassen.
  7. Prüfen: Anlaufversuch durchführen und mit Messgeräten die Energiefreiheit feststellen.
  8. Entfernen: nach Abschluss entfernt jeder Mitarbeiter sein eigenes Vorhängeschloss, nachdem er geprüft hat, dass der Bereich frei ist; der Letzte nimmt die Maschine wieder in Betrieb.

So wählen Sie das Sicherheits-Vorhängeschloss aus

Das Vorhängeschloss ist das persönliche Element des Systems. Die üblichen Kriterien:

  • Körper: verstärktes Nylon (leicht, isolierend, beständig gegen Chemikalien und Temperaturen von −20 °C bis +120 °C) ist der Standard; es gibt Ausführungen aus Aluminium, Messing, laminiert und mit langem Körper zum Beschriften mit dem Namen.
  • Bügel: verchromter Stahl (allgemeiner Einsatz), Edelstahl (feuchte oder korrosive Umgebungen), nicht leitendes Nylon (Elektroarbeiten: verhindert, dass Strom vom Bügel auf den Schlüssel übergeht) oder Kabel (Verriegelungspunkte mit engen oder entfernten Öffnungen). Übliche Längen: 25, 38 und 76 mm; Durchmesser von 4 bis 6,5 mm.
  • Schließsystem: verschiedenschließend (KD) für persönliche Vorhängeschlösser; gleichschließend (KA) für einen Mitarbeiter mit mehreren Punkten; Hauptschlüssel (MK) für den Verantwortlichen; Generalhauptschlüssel (GMK) für Werke mit mehreren Bereichen. Die Schließungen sollten registriert werden, um nachbestellen zu können.
  • Schlüsselrückhaltung: der Schlüssel lässt sich nur bei geschlossenem Bügel abziehen, sodass ein offenes Vorhängeschloss nie ohne Schlüssel bleibt.
  • Farbe und Kennzeichnung: eine Farbe je Abteilung oder Energieart sowie der per Laser gravierte Name oder die Nummer des Mitarbeiters erleichtern die Identifizierung.

Das vollständige Sortiment finden Sie unter Sicherheits-Vorhängeschlösser.

Welche Verriegelungsvorrichtung an welcher Trennstelle

TrennstelleVorrichtungKategorie
Kugelhahn (Hebel)Standard- oder verstellbare Kugelhahnverriegelung, universell für atypische HebelVentilverriegelung
Absperrschieber (Handrad)Verriegelungsabdeckung nach Handraddurchmesser (25 bis 330 mm)Ventilverriegelung
Absperrklappe, Membranventil, FlanschAbsperrklappen-, Membranventil-, BlindflanschverriegelungVentilverriegelung
Leitungsschutzschalter (MCB)Pin-out- / Pin-in- / Tie-bar-Verriegelung je nach Kipphebel oder universelle KlemmverriegelungLeitungsschutzschalter-Verriegelung
Kompaktleistungsschalter (MCCB)Große oder Multifunktions-Verriegelung für KompaktleistungsschalterLeitungsschutzschalter-Verriegelung
Steckdose, IndustriesteckerStecker- oder Industriesteckerverriegelung (Gehäuse mit Öffnung für Vorhängeschloss)Pneumatisch und elektrisch
Druckluftanschluss, SchnellkupplungPneumatische Verriegelung für Kupplung oder DruckluftanschlussPneumatisch und elektrisch
Not-Aus-Taster, Drucktaster, Wahlschalter, WandschalterTransparente VerriegelungsabdeckungPneumatisch und elektrisch
Mehrere entfernte oder schwer zugängliche PunkteKabelverriegelung aus Stahl oder KunststoffKabelverriegelung
Mehrere Personen an einem PunktVerriegelungsbügel (bis zu 6 Vorhängeschlösser) oder GruppenverriegelungskastenVerriegelungsbügel · Kästen und Stationen

Gruppenverriegelung: Verriegelungsbügel, Kästen und Stationen

Sind mehrere Personen beteiligt, muss jede ihr eigenes Vorhängeschloss anbringen können. Der Verriegelungsbügel wird über der Trennstelle geschlossen und bietet sechs Öffnungen; die Trennstelle wird erst freigegeben, wenn das letzte Vorhängeschloss entfernt ist. Bei Anlagen mit vielen Trennstellen wird der Gruppenverriegelungskasten eingesetzt: Der Verantwortliche verriegelt alle Trennstellen mit den Vorhängeschlössern des Kastens, legt die Schlüssel hinein, und jeder Mitarbeiter verschließt den Kasten mit seinem persönlichen Vorhängeschloss.

Die Verriegelungsstationen (Wandstationen, tragbar oder im Koffer) bündeln Vorhängeschlösser, Verriegelungsbügel, Anhänger und Vorrichtungen je Maschine oder Bereich, sodass das Material stets auffindbar und vollständig ist. Die Sets fassen eine Auswahl von Vorrichtungen für eine Art von Eingriff zusammen (elektrisch, Ventile, allgemein).

Kennzeichnung: wer, wann und warum

Der Anhänger begleitet stets das Vorhängeschloss. Er muss lesbar und umgebungsbeständig sein (PVC oder ähnlich) und Name des Mitarbeiters, Abteilung, Datum und Grund der Verriegelung angeben. Beschreibbare Anhänger werden mit abwischbarem Stift verwendet; personalisierte Identifikationsanhänger tragen Foto oder Daten des Mitarbeiters. Ein Anhänger ohne Vorhängeschloss (nur Tagout) ist nur zulässig, wenn die Trennstelle keine physische Verriegelung erlaubt, und nur mit ausgleichenden Maßnahmen.

Rechtlicher und normativer Rahmen

  • Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) und Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV): Instandhaltungsarbeiten sind bei stillgesetztem Arbeitsmittel durchzuführen; das Arbeitsmittel ist von allen Energiequellen zu trennen und gegen Wiedereinschalten zu sichern.
  • DIN EN ISO 12100 (allgemeine Gestaltungsleitsätze für Maschinen) und DIN EN ISO 14118 (Vermeidung von unerwartetem Anlauf), die die Mittel zur Energietrennung und -ableitung sowie deren Verriegelung beschreiben.
  • DGUV Vorschrift 3 (elektrische Anlagen und Betriebsmittel) und die „fünf Sicherheitsregeln“ für das Arbeiten im spannungsfreien Zustand: Freischalten, gegen Wiedereinschalten sichern, Spannungsfreiheit feststellen, Erden und Kurzschließen, benachbarte unter Spannung stehende Teile abdecken oder abschranken.
  • Internationale Referenzen: OSHA 29 CFR 1910.147 (USA) und ANSI/ASSP Z244.1, die von multinationalen Unternehmen häufig für interne Verfahren herangezogen werden.

Dieser Leitfaden dient nur zur Orientierung: Die Gefährdungsbeurteilung und das Freischalt- und Verriegelungsverfahren jeder Anlage sind gemeinsam mit der Fachkraft für Arbeitssicherheit des Unternehmens zu erstellen.

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Verschiedenschließend (KD), gleichschließend (KA), Hauptschlüssel (MK) und Generalhauptschlüssel (GMK); Registrierung der Schließungen für Nachbestellungen.

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